ZWISCHENBERICHT VON UNSEREN PROJEKTEN IN SUPE BESUCHE FEBR./MÄRZ UND MAI 2011
Langsam aber sicher trägt unsere Arbeit und unser Engagement Früchte. Es ist eine Freude, wie sich viele der Jungen in Supe entwickeln und damit auch das ganze Dorf.
Lehrlinge und was daraus entsteht
10 junge Frauen aus Supe und dem Nach-bardorf Alge werden im Juli ihre dreijährige Ausbildung als Krankenschwestern abschliessen. Sie absolvieren im Moment ein fünfwöchiges Praktikum in unserem Gesundheitszentrum in Supe. Sie sind glücklich und stolz, unter den ersten Frauen in Supe zu sein, die einen Beruf erlernen durften und inZukunft selbständig sein werden. Das ist, was wir erreichen wollen.
Einige von ihnen werden noch eine Zusatzausbildung zur Hebamme machen. Es gibt im weiten Umkreis keinen Arzt und auch an Hebammen herrscht Mangel.
Ich habe in Awassa unsere Lehrlinge besucht, die ebenfalls im Juli ihre dreijährige Ausbildung als Schlosser bzw. Metallbearbeiter beenden werden. Drei von diesen jungen Männern haben uns einen Geschäftsplan unterbreitet für den Aufbau einer Schlosserei in Mettu, der Provinzhauptstadt von Illubabor. Der Ort liegt ca. eine Autostunde von Supe entfernt. Es gibt dort mehr Arbeit als in unserem Dorf, zumal nächstes Jahr in Mettu die neue Universität eröffnet wird und ein Bedarf an neuen Gebäuden und Dienstleistungen besteht. Wir möchten dieser Gruppe mit einem Betriebskredit von Fr. 9'000.- helfen. Das Darlehen muss nach 4 – 5 Jahren zurückbezahlt sein (siehe unter Mikrokredite).
Zwanzig weitere Lehrlinge sind am Ende ihres ersten Lehrjahres in verschiedenen Sparten und haben noch zwei Lehrjahre vor sich. Neu ab September werden wir 10 Lehrlinge im Landwirtschaftsbereich und 5 Elektrolehrlinge (Frauen und Männer) aufnehmen sowie 10 Schüler ins College nach Alge schicken.
Field Health Officer
Seit anfangs Jahr haben wir einen „Field Health Officer“ angestellt, was von der ganzen Bevölkerung als Segen betrachtet wird. Er unterrichtet an der Schule Prävention und Hygiene, besucht alle Haushalte und gibt Tipps, wie man die WC-Löcher so pflegen kann, dass sie für die Gesundheit kein Problem darstellen. Er hilft der Gemeinde u.a. bei einem Abfallkonzept und beim Aufstellen von Toiletten beim Marktplatz.
Assefa, so heisst der junge Mann, besucht regelmässige die Weiler ausserhalb von Supe und stellt die Verbindung zu unserem Gesundheitszentrum her. Dies ist vor allem wichtig für schwangere Frauen.
Coiffeursalon
Zwei junge Frauen, die in Mettu eine Kurzlehre als Coiffeuse absolviert haben, möchten im Dorf den ersten Coiffeursalon eröffnen. Eine Kollegin von uns, die im März mit uns in Supe weilte und die in der Schweiz die Produkte von Paul Mitchell vertreibt, wird das Projekt unterstützen. Die beiden Mädchen verbessern im Moment in einem dreimonatigen Intensivkurs in Addis Abeba ihre Kenntnisse noch. Die jungen Damen haben einen kleinen Businessplan eingereicht und bereits am Hauptplatz im Dorf einen Laden gemietet. Ich bin sicher, dass sie Erfolg haben werden, denn sie sind sehr enthusiastisch und wissen, was sie wollen.
Learning for Life Business Center Supe
Unser Dorf ist sehr abgelegen. Kommunikation mit der Aussenwelt und Informationen sind schwer zugänglich. Wir haben im Dorf auch erst seit knapp einem Jahr Natelempfang (nicht immer). Unser Stiftungsratsmitglied Urs Häusermann befasst sie schon eine Weile mit dem Internetzugang in Supe. Da aber kein Telefonfestnetz vorhanden ist, dachten wir, man könne den Internetzugang via Natel herstellen. Trotz Modem, das an anderen Orten funktioniert, tut es das in Supe nicht. Wir sind jetzt am abklären, was fehlt und was für Möglichkeiten es sonst gibt. Bis es soweit ist, betreibt der von uns angestellte IT-Lehrer ein kleines Büro, wo die Leute photokopieren, Dokumente laminieren oder Briefe schreiben und schreiben lassen können. Das Lokal befindet sich ebenfalls im Zentrum des Dorfes, wo auch die Busse zu anderen Dörfern durchfahren, was zusätzlich Kunden bringen dürfte.
Sportprojekt und Läufergruppe:
Corinne Schlatter, Doris Merz und ich haben im März am Frauenlauf in Addis teilgenommen und dafür in der Schweiz für unser Sportprojekt in Supe gesammelt (Spendensumme fast Fr. 40'000.-, siehe sep. Bericht auf unserer Homepage). Das Architekturbüro unseres Bruders, Toni Giess, hat für uns ein einfaches, sehr schönes Gebäude für Duschen, WC, Garderoben (alles für Frauen und Männer) sowie ein Sport-Materialdepot entworfen. Die Pläne haben im Dorf grossen Anklang und Begeisterung gefunden und die Schüler haben bereits mit dem Planieren des Sportplatzes begonnen. Nach der Regensaison Mitte/Ende September werden diese auch den Aushub für das Sportgebäude machen. Im Oktober wird mit dem Bau begonnen, sodass Ende Jahr das Sportzentrum bereit sein sollte. Tagsüber wird es von der Schule für den Sportunterricht benützt; am Abend und an den Wochenenden von der Bevölkerung. Dies wird nicht nur ein Beitrag sportlicher Natur, sondern auch ein Beitrag zur Verbesserung der Hygiene, werden es doch die ersten Duschen und richtigen Toiletten im Dorf sein. Ausserdem ermöglicht es auch der weiblichen Bevölkerung das Ausüben von Sport.
Anlässlich des Frauenlaufes in Addis waren vier Mädchen von Supe dabei und eines der 15jährigen Mädchen entpuppte sich als Läufertalent. Wir haben daraufhin in Supe eine Läufergruppe von 3 Burschen und 7 Mädchen gebildet, die jetzt regelmässig zusammen trainieren. Ein Kollege von uns und Leichtathletiktrainer, Christoph Schmid, hat ihnen Trainingspläne zusammengestellt, damit sie ein ausgewogenes Training absolvieren können. Ich war vor drei Wochen beim Training dabei.
Schulbau in Ume
Im Nachbardorf Ume, das nur über Klasse 1 – 4 verfügt, bauen wir ein Schulhaus für die 1. – 6. Klasse. Wenn Ume zwei Klassen mehr hat und generell mehr Platz, entlastet das auch unsere Schulen im Dorf, wo die Klassen aus allen Nähten platzen. Die Bevölkerung von Ume muss etwa einen Viertel des Baus selber berappen in Form von Arbeit, was sie auch gemacht haben. Das Dorf ist schwierig zu erreichen und die Materialien mussten mit Esel- und Menschenkraft dorthin transportiert werden. Vor der Regensaison werden das Fundament und die Aussenhülle errichtet; während dem grossen Regen das Innere. Wir hoffen, dass bis zum neuen Schuljahr, das am 15. September beginnt, das Schulhaus fertig sein wird. Inshala.
Mikrokredite
Unser Mikroprojekt ist angelaufen; noch mit ein paar Anlaufsschwierigkeiten, die aber von unserem Stiftungsmitglied Urs Häusermann vor Ort gelöst worden sind. Das heisst, die Gruppe der Mikrokreditnehmer ist jetzt kleiner, aber dafür diversifizierter.
Was uns vor allem auch freut ist die Tatsache, dass ein Projekt dabei ist von unseren Lehrlingen, die im Juli ihre Lehre abschliessen. Es ist zwar kein Mikrokredit, aber dafür wird es mehreren Personen Arbeit geben.