OUT OF AFRICA - ERFREULICHE RESULTATE UND GUTE AUSSICHTEN
Sehr geehrte Damen und Herren
Es herrscht ein geschäftiges, buntes Treiben – Frauen, Männer, Kinder, vollbepackte Esel und Pferde, Ziegen, Schafe, Hühner. Alle sind unterwegs und streben zum grossen Markt, wo sich die Leute eindecken für das äthiopische Weihnachtsfest, das am 7. Januar gefeiert wird. Ich liebe diese Atmosphäre, bin mitten drin in Supe, in unserem Dorf in Äthiopien, von wo ich Ihnen diesen Jahresbericht schreibe und berichte, was mit Ihrer Hilfe hier entsteht.
Lehrlinge
Von Supe aus fuhr ich an einem Tag nach Mettu, in die Provinzhauptstadt von Illubabor (eine Autostunde entfernt). Dort besuchte ich unsere 30 Lehrlinge. Neun Krankenschwestern und eine Laborantin sind im dritten und letzten Lehrjahr. 20 junge Frauen und Männer haben Mitte September (Beginn des äthiopischen neuen Jahrs) ihre zwei- oder dreijährigen Lehren im Technical College angefangen. Sie lassen sich ausbilden als Elektriker, Schreiner, Hausbauer, Schlosser und Schneider. Für die offenen 40 Plätze hatten sich 700 Jugendliche beworben. Dass davon 20 Lehrstellen an junge Menschen aus Supe vergeben wurden, ist das Resultat unserer Arbeit und Ihrer Unterstützung.
Die Lehrstellen in Mettu sind nicht so, wie bei uns in der Schweiz, wo die Lehrlinge Lohn bekommen und bei einer Firma angestellt sind. Dort finden die Lehren im Technical College statt, wo aber natürlich auch praktische Arbeiten ausgeführt werden. Die Lehrlinge werden betreut von einem ehemaligen Lehrer, den wir von Learning for Life bezahlen. Nach der 20%igen Abwertung des Birr kostet uns ein Lehrling pro Jahr ca. Fr. 750.-. Dies beinhaltet Wohnen und Essen, Einschreib- und Schulgebühren, Bücher, Medikamente, Betreuung und kleines Taschengeld.
Acht Schlosser/Metallbauer haben im Oktober erfolgreich bei Selam Awassa ihre Lehre abgeschlossen. Sie werden im März in Mettu eine Prüfung absolvieren, die sie befähigt, selber in ihrem Metier Unterricht zu geben oder von der Regierung eine gute Stelle zu erhalten. Ich begleite sie in ihrem Werdegang und habe mit ihnen abgemacht, dass sie nach ein-/zweijähriger Arbeitserfahrung eine eigene Werkstatt eröffnen können. In Äthiopien wollen alle beim Staat arbeiten. Wir ermuntern sie jedoch, eigene kleine Geschäfte zu eröffnen und helfen beim Entwerfen von Geschäftsplänen und Finanzierungen. In Addis Abeba und in Awassa absolvieren zurzeit noch drei Mädchen und sieben Burschen das letzte Jahr ihrer Lehren. Im Moment bilden wir also total 40 Lehrlinge aus und schicken zehn Schülerinnen und Schüler ins College.
Schulen
Nach dem 10. Schuljahr absolvieren in Äthiopien alle Schulabgänger eine Abschlussprüfung. Unsere Schule in Supe erzielte das zweitbeste Resultat der ganzen Provinz mit immerhin 800‘000 Einwohnern. Das erfreuliche Resultat ist eine Kombination aus zusätzlicher Lehrerausbildung durch uns, Eltern, die ihre Kinder täglich in die Schule schicken, Schüler, die eine Zukunftsperspektive sehen, und unsere längere Erfahrung.
60 Jugendliche (40 Mädchen/20 Buben) aus unserem Dorf erreichten einen Notendurchschnitt für das College mit Möglichkeit zum späteren Studium an der Universität (letztes Jahr waren es nur 35). Viele Familien in Supe sind aber zu arm, um ihre Kinder nach Alge ins College zu schicken, denn sie müssen dort wohnen und essen. Learning for Life sponsert deshalb zehn begabte Schülerinnen und Schüler aus armen Familien. Die Kehrseite der Medaille ist, dass unsere Schulen mit 2‘500 Schülern aus allen Nähten platzen. Supe gehört zum Bezirk Alge mit 31 Gemeinden/Weilern und ca. 80‘000 Einwohnern. Fünf dieser kleineren Dörfer haben nur 1. – 4. Klasse, nachher besuchen die Kinder die 5. – 10. Klasse in Supe. Uzo, eines dieser Dörfer hat letztes Jahr von uns 120 Schulbänke erhalten. Dieses Jahr braucht Ume-Amdelo dringend eine Schule für 350 Kinder. Wir bauen nur Schulen, wenn die Bewohner mindestens einen Viertel der Leistung/Kosten in irgendeiner Form beisteuern. Im Fall von Ume sind die Dorfbewohner bereits am Bau einer kleinen Strasse, damit die schwersten Baumaterialien zum Dorf gefahren werden können. Der Rest wird per Esel sowie durch «Frauenkraft» dorthin transportiert. Die Schule mit vier Klassenzimmern und einem Toilettenblock kostet zirka Fr. 55‘000.-. Zement und Transportkosten sind in den letzten Monaten enorm gestiegen. Wir finden es wichtig, dass wir auch die umliegenden Dörfer von Supe in die Hilfe einbeziehen, damit die «Kirche im Dorf» bleibt.
Mikrokredite
Unser Stiftungsrat Urs Häusermann hat letztes Jahr in Supe ein Mikrokredit-Projekt gestartet und die Interessenten entsprechend geschult. Sechs Gruppen à je sechs Teilnehmer haben sich mit Geschäftsideen angemeldet. Ende dieses Monats werden die ersten Mikrokredite ausbezahlt. Siehe Mikrokredite
Gesundheitszentrum/Lernprogramm
Letztes Jahr haben wir das Gesundheitszentrum renoviert und mit Solarlicht, Dusche und WC ausgerüstet. Die Kinderärztin Dr. Christa Bühler aus Bern hat sich freundlicherweise bereit erklärt, im vergangenen September mit mir nach Supe zu reisen und sich vom Zustand der Gesundheitssituation ein Bild zu machen. Sie hat die Arbeit der fünf Krankenschwestern/Pfleger als gut empfunden. Laut ihrem Bericht könnte aber die Hälfte der Krankheiten durch bessere Ernährung, Hygiene und Aufklärung vermieden werden. Sie hat die Anstellung eines «Field Health Officers» vorgeschlagen, der in Zusammenarbeit mit dem Zentrum in der Schule und bei den Frauen diesbezügliche Arbeit leistet. Auch die in den abgelegenen Weilern lebenden schwangeren Frauen mit Problemen können durch den «Field Health Officer» betreut werden. Wir haben bereits die geeignete Person dafür gefunden.
Nach Besprechungen mit dem Bezirks-schulrat wurde beschlossen, dass die Schule Hygiene und Aufklärung neu ins Lernprogramm aufnimmt. Learning for Life wird zur Hygiene auch einen Beitrag leisten mit dem Bau einer WC- und Duschanlage beim neu zu erstellenden Sportplatz (siehe beiliegender Prospekt «Frauenlauf»). Für uns hier in der Schweiz ist es fast nicht vorstellbar, dass in Dörfern wie Supe die meisten Häuser kein Wasser und keine Toiletten haben.
MADAGASKAR
Die Lage in Madagaskar ist schwierig, vor allem auch wegen der politischen Situation. Ich habe im April ausgedehnt unsere Projekte in Madagaskar besucht und war ziemlich deprimiert. Irgendwie kam mir das Land hoffnungslos vor.
Unsere Schüler, die wir unterstützen, sind an zu vielen Orten verstreut. Sie kommen und gehen von der Schule, wie es ihnen passt. Das ist Energie- und Geldverschwendung. Wir haben deshalb im Stiftungsrat beschlossen, dass wir die Schulabgänger nicht mehr durch neue Schüler ersetzen und das Programm so langsam auslaufen lassen. Im Moment sind es noch 42 Schüler. Stattdessen helfen wir Jungendlichen, die konkret mit einem Ausbildungsplan-/Wunsch zu uns kommen. Gegenwärtig unterstützen wir elf Fachschulabsolventen, die Studiengänge in Pharmazie, Finanzen und Buchhaltung sowie Lebensmittel und Labor belegen. Es gibt einen Verein für Berufsausbildung Schweiz – Madagaskar. Unser Stiftungsratsmitglied Markus Kühne hat dort einen Schweizer kennengelernt, der pro Jahr neun Monate in Madagaskar weilt und für uns nun die Augen offen hält für Lehrlingsausbildungen.
In unserem Waisenhaus läuft indes alles bestens. Einer der älteren Jungen arbeitet bereits auswärts, ein anderer absolviert eine dreijährige Baulehre. Acht jüngere Kinder zwischen acht und 14 Jahren gehen in die örtliche Schule und werden von einem Ehepaar sehr gut und liebevoll betreut. Das Waisenhaus ist in gutem Zustand und die Kinder sind fröhlich und gut erzogen.
Wir haben im vergangenen Jahr viele Spenden erhalten von runden Geburtstagen und Hochzeiten, und Sie alle waren enorm grosszügig (Spenden 2010: Fr. 135‘000.-). Danke vielmals. Wir verwenden Ihr Geld mit Sorgfalt und versuchen, damit möglichst viel zu erreichen und nur das zu tun, was die einheimische Bevölkerung auch wirklich will. Vor allem versuchen wir, der Jugend Motivation und hoffnungsvolle Perspektiven zu geben. Es macht mich froh, wenn ich spüre, dass langsam ein Umdenken stattfindet und mir die Jungendlichen sagen, sie möchten nur noch drei und nicht mehr zehn Kinder. Oder wenn ihr grösster Wunsch nicht das Auswandern nach Amerika oder Europa ist, sondern sie sich ein gutes Leben zuhause im Dorf vorstellen können.
Wir freuen uns, wenn Sie sich auch in Zukunft für unsere Projekte interessieren, sie unterstützen und sie vielleicht sogar einmal besuchen.