Mit Freude kann ich Ihnen berichten, dass es in unserem Dorf Supe noch nie so viele positive Veränderungen gegeben hat wie in diesem Jahr. Natürlich ging auch im 2011 nicht alles problemlos über die Bühne, aber langsam spürt man das neue Denken der Jungen im Dorf. Und das macht mich sehr zufrieden und glücklich und stimmt uns alle zuversichtlich.
Lehrlinge / Ausbildung
Dieses Jahr haben viele unserer Lehrlinge ihre Lehre beendet; einige davon mit exzellenten Noten. In Awassa haben sieben junge Männer ihre dreijährige Lehre als Schlosser/Metallbauer abgeschlossen und in Mettu neun Krankenschwestern und eine Laborantin. Voraussichtlich werden drei der Krankenschwestern eine Zusatzausbildung als Hebamme absolvieren. Hebammen sind für entlegene Gegenden wie in Supe doppelt wichtig, weil es dort keine Aerzte hat. Ende Dezember werden zwanzig Lehrlinge das Technical College in Mettu als Schreiner, Maurer oder Schlosser abschliessen. Leider hat die Regierung einmal mehr das ganze Konzept für die Lehrlinge in allen staatlichen Technical Colleges über den Haufen geworfen, indem der Stoff von drei Jahren in 14 Monate gepackt wurde! Der Grund dafür ist, dass die Regierung zuwenig Lehrlings-Ausbilder und Studienplätze hat. Bis die neue Situation geklärt ist, schicken wir keine Lehrlinge mehr nach Mettu.
Anfangs November haben vier junge Männer eine vierjährige Lehre bei Selam Awassa als Elektriker angefangen. Wir unterstützen neu auch zwei Mädchen (Schwestern), die die Bedingungen für eine Universitätsausbildung erfüllen. Sie haben an zwei verschiedenen Unis Studienplätze erhalten, aber da ihre Familie arm ist, könnten die Töchter ohne unsere Hilfe nicht studieren. Die eine studiert Landwirtschaft, die andere Lehrerin. Die Lehrlinge und auch die beiden Mädchen müssen später 10% unseres Unterstützungsbeitrages zurückzahlen. Zudem ermöglichen wir zwanzig Mädchen und Jungen im ersten resp. zweiten Jahr eine Collegeausbildung in der Nachbargemeinde. Nach Abschluss der zweijährigen Ausbildung haben die Schüler mit entsprechend guten Noten eine Chance auf einen Studienplatz an einer Universität.
Schulhausneubau in Ume
Ume ist eine von zwei Nachbargemeinden, die schulmässig zu unserem Dorf Supe gehört. Der Unterricht in den Klassen 1 – 4 findet in Ume, 5 - 10 in Supe statt. Wir bauen jetzt in Ume eine Schule, in der genug Platz ist für die Klassen 1 – 6, total für ca. 400 Kinder. Das entlastet auch unsere Schulen in Supe, die aus allen Nähten platzen. Der Neubau hätte im Oktober fertig sein sollen, aber das wird wohl erst im Januar der Fall sein, denn die Regensaison dauerte viel länger als normal, was zu Materialtransportproblemen führte. Die Bevölkerung musste einen Teil der Arbeiten in Frondienst erledigen, sodass der gesamte Schulhausbau inkl. Toilettenanlage rund Fr. 50‘000.– kostet.
Sportkomplex / Sportplatz
Corinne Schlatter (Stiftungsrätin), Doris Merz und ich haben im März am Frauenlauf in Addis Ababa zusammen mit 9000 anderen Frauen teilgenommen. Viele unserer Gönner haben uns mit Kilometergeld unterstützt, das zum Bau eines Sportplatzes mit Garderoben / Duschen / Toiletten für Frauen und Männer verwendet wird. Die Idee dahinter ist, dass auch Mädchen und Frauen Sport treiben können, die Schule über einen Sportplatz mit Umkleide-möglichkeiten / Duschen verfügt und die Dorfbevölkerung abends und am Wochenende ebenfalls eine Möglichkeit für Sport und Hygiene hat (Duschen!). Mein Bruder, Toni Giess, hat in seinem Architekturbüro die Pläne für den Bau erstellt und hat im Oktober vor Ort die Bauarbeiten überwacht. Die Schüler haben mitgeholfen, von Hand auf dem künftigen Sportplatz Bäume zu fällen und Büsche zu entfernen. Der Bau macht gute Fortschritte und das ganze Dorf freut sich schon jetzt auf die Eröffnung, die wir mit einem Sporttag feiern werden.
Läufergruppe
Als wir im März am Frauenlauf teilgenommen haben, waren auch vier Mädchen aus dem Dorf dabei. Sie waren schnell unterwegs, eine davon extrem schnell. Wir haben daraufhin im Dorf eine Läufergruppe gebildet, die jetzt regelmässig zusammen trainiert. Unser Kollege und Leichtathletiktrainer, Christoph Schmid, hat für die Gruppe Trainingspläne gemacht und war im Oktober ein paar Tage bei uns in Supe, um zu sehen und erleben, wie und unter welchen Umständen trainiert wird. Wir sind am Ausarbeiten eines Planes, an welche regionalen Wettkämpfe wir die LäuferInnen schicken und wie wir das Projekt finanzieren wollen.
Hygiene / Gesundheit
Seit anfangs Jahr haben wir einen „Field Health Officer" angestellt, was von der ganzen Bevölkerung als Segen empfunden wird. Er unterrichtet an der Schule Prävention und Hygiene, besucht alle Haushalte und gibt Tipps, wie man die WC-Löcher so pflegen kann, dass sie für die Gesundheit kein Problem darstellen. Assefa, so heisst der junge Mann, besucht regelmässige die Weiler ausserhalb von Supe und stellt die Verbindung zu unserem Gesundheits-zentrum her. Dies ist vor allem wichtig für schwangere Frauen. Endlich wurde auch der seit langem bestellte Gebärstuhl geliefert.
Mikrokredite
Das Projekt unter der Leitung unseres Stiftungsratsmitgliedes, Urs Häusermann, ist zuerst harzig, aber jetzt umso besser angelaufen. Die Mikrokredite der ersten KreditnehmerInnen sind bereits wieder zurückbezahlt und acht neue TeilnehmerInnen bekamen im November einen Kredit. Diese Kredite helfen den Ärmsten im Dorf. Als ich im Oktober dort war, habe ich selber erlebt, wie einige der Teilnehmerinnen Geschäftssinn entwickeln und neue Ideen haben. Details und Photos siehe hier.
Learning for Life Business Center
Unser Dorf ist sehr abgelegen. Kommunikation und Informationen zur Aussenwelt sind schwer zugänglich. Unser Stiftungsratsmitglied Urs Häusermann befasst sich seit einiger Zeit mit dem Internetzugang. Bis jetzt klappt es leider nicht. Nichtsdesto trotz haben wir im Oktober unser Center eröffnet, ohne Internet zwar, aber mit Fotokopierer, Laminiermaschine und Computer/Drucker. Die Leute können auch Briefe schreiben lassen. Das Lokal befindet sich in der Dorfmitte, wo die Busse zu anderen Dörfern durchfahren, was zusätzliche Kunden bringt. Unser IT-Lehrer, der für uns arbeitet und den Lehrern und Schülern der oberen Klasse das Handhaben der Computer lehrt, betreibt das Center stundenweise. Wir möchten aber gerne das Center an jemanden übergeben, der dafür die Verantwortung übernimmt und davon leben kann. Ein Negativpunkt ist leider, dass das Dorf oft keinen Strom hat.
Gründung von KMU
Ich versuche, die Jungen zu motivieren, in Supe oder Umgebung kleine Firmen zu gründen. Die kleinen und mittleren Firmen sind ja auch einer der Gründe, warum es der Schweiz gut geht. Wenn aber z.B. drei der von uns ausgebildeten Schlosser eine Firma gründen wollen, braucht es mehr als einen Mikrokredit. Ich habe bereits mit privaten Darlehen einer Hühnerfarm, einer Schneiderei, einem Coiffeursalon und einer Schlosserei zum Start verholfen. Wir planen, im neuen Jahr einen Fond zu eröffnen für solche „Start Up". Gerne werde ich Sie im Frühling weiter darüber orientieren.
MADAGASKAR
Wie schon im letzten Bericht angekündigt, verkleinern und vereinfachen wir unser Engagement in Madagaskar. Viele der Schüler, die wir unterstützten, haben die Grundschule beendet oder sie vorzeitig verlassen. Für die nächsten drei Jahre unterstützen wir sechs Fachschulabsolventinnen in Pharma, Finanz / Buchhaltung, Lebensmittel und Labor. Unser Waisenhaus ist weit entfernt von der Hauptstadt und den anderen Aktivitäten. Wir ziehen daher in Erwägung, die Kinder in der Nähe von Tana unterzubringen in einem Haus, das den Eltern unserer Angestellten Tsiry gehört. Es sind nur noch sechs Kinder, die anderen Kinder haben das Waisenhaus verlassen (älter als 18jährig). Die Kinder würden dann betreut von einer unserer ehemaligen Studentinnen, die als Sozialpädagogin ausgebildet ist. Norison, der im Waisenhaus aufgewachsen und eine zweijährige Baulehre absolvierte, hat erfolgreich abgeschlossen und auch bereits eine Arbeitsstelle, was sehr erfreulich ist. Wir sind nicht zufrieden mit unserem Engagement in Madagaskar. Es sind viele Faktoren, die nicht stimmen, wie Verzettelung an verschiedenen Orten, die immer wieder ändernde politische Situation, Desinteresse der Leute und vor allem sieht man kein wirklich positives Resultat. Wir suchen jetzt eine Organisation in Madagaskar, die ebenfalls in der Ausbildung tätig ist und mit der wir zusammenarbeiten könnten. Es muss sich jemand mit Leidenschaft darum kümmern, sonst gibt es keine befriedigenden Ergebnisse und macht auch keine Freude.
Wir haben im vergangenen Jahr wieder viele Spenden erhalten von runden Geburtstagen. Und Sie alle waren sehr grosszügig. Danke vielmals. Wir verwenden Ihr Geld mit Sorgfalt und möchten damit möglichst viel erreichen. Wir versuchen vor allem der Jugend, Werkzeuge und Ausbildung zu geben, damit sie ihre Zukunft im eigenen Land erfolgreich gestalten kann.
Wir freuen uns, wenn Sie sich auch in Zukunft für unsere Projekte begeistern und sie unterstützen.