Corinne und Reto

„Wir wollen nicht nur durch Afrika reisen, sondern mit einem Freiwilligen-Einsatz den Men­schen etwas zurückgeben können“ – das war unsere Motivation, als wir im 2008 Josy Bürgin von der Stiftung „Learning for Life“ zum ersten Mal getroffen haben. Wir waren sofort be­geistert von den Projekten der Stiftung in Supe, Äthiopien.

Ende Februar 2009 war es dann soweit und wir brachen zum Abenteuer „Afrika“ auf. Zu­sammen mit Urs Häusermann reisten wir nach Supe – mit dem Auto ging es von Addis Ababa über Jimma und Metu in den Westen des Landes. Für uns zwei unerfahrene Afrika­reisende war diese Fahrt bereits ein erstes grosses Erlebnis. Die anfänglich noch schönen und teilweise imposanten Rundhütten wichen allmählich den rechteckigen Lehmhütten mit Wellblechdächern. Die Menschen wurden immer dunkler und die Landschaft immer grüner.

In Supe angekommen, fühlten wir uns erst einmal wie ein neugeborenes Nashornbaby im Baslerzolli; von allen bestaunt und beobachtet. Doch die anfängliche Distanz verschwand schnell, und wir wurden sehr herzlich in der Gemeinschaft von Supe aufgenommen.
In den ersten Tagen ging es darum unsere Einsätze zu organisieren – Corinne für das Unter­richten von Englisch und Reto für Computer-Unterricht.

Damit sich die potenziellen Schüler für die Englisch-Stunden einschreiben konnten, wurde am Sonntagnachmittag ein Meeting auf dem Dorfplatz veranstaltet. Das Interesse war gross, und die Listen für die Einteilung der Klassen füllten sich schnell. Die Klasseneinteilung stellt in Afrika jedoch eine ziemliche Herausforderung dar. Einige Personen, die sich an der Veranstaltung eingeschrieben hatten, wurden im Unterricht nie live gesichtet – wieder andere standen plötzlich und ohne Vorankündigung im Klassenzimmer. Das Anpassen der Klassenlisten war somit in den ersten Wochen ständiger Begleiter.
In den Englischklassen wurden sowohl Studenten aus der High School, als auch Dorfbe­wohner unterrichtet – von Anfängern bis hin zu fortgeschrittenen Schülern, gesamthaft rund 100 Studenten.

Retos Aufgabe war es die Lehrer in Informatik zu unterrichten. Dies mit dem Ziel, dass diese ihr Know-How dann in einem späteren Schritt den Schüler weitergeben können. Der von „Learning for Life“ eingerichtete IT Raum umfasst nun acht Computer, zwei Drucker und eine Solaranlage für die sorgenfreie Energieversorgung. Das Niveau am Anfang der Informatik-Klassen war sehr unterschiedlich – einige Lehrer bekundeten bereits grosse Mühe mit der Maus über den Bildschirm fahren zu können, andere konnten sich bereits relativ gut in der Computer-Welt bewegen.

Punkto Motivation für unsere Kurse machten wir beide sehr unterschiedliche Erfahrungen. Es gab sehr motivierte und engagierte Teilnehmer, welche auch am Samstagmorgen in Ext­rakurse kamen, dann aber auch Teilnehmer welche gar nie oder kaum im Unterricht erschie­nen sind. Die allerwenigsten schafften es immer pünktlich und am richtigen Tag zu erschei­nen. Mit der nötigen Gelassenheit liess es sich trotzdem gut unterrichten – denn schliesslich herrscht in Afrika ein ganz anderes Zeitempfinden als bei uns. Wir konnten bei einigen Teil­nehmern beachtliche Fortschritte mit dem Gelernten feststellen, was für uns ein grosser Er­folg war.
Zu unserem angenehmen Aufenthalt haben sicherlich mehrere Faktoren zusammengespielt: Die hilfsbereiten und offenen Menschen, das angenehme Klima, das wunderschöne Haus mit dem grossen Garten von Josy und die für afrikanische Verhältnisse gute Nahrungsmittelsituation. Besonders hervorheben möchten wir die Liebenswürdigkeit und Gastfreundschaft der Einwohner von Supe, die uns mit offenen Armen aufgenommen haben. Wir spürten, dass unsere Arbeit in Supe sehr geschätzt wurde – unsere Studenten organisierten Feste für uns, um sich bei uns zu bedanken, und wir schlossen viele schöne Freundschaften mit den Menschen im Dorf. 

Doch zwei Monate in Supe zu leben bedeutet auch mit Kulturen und Situationen konfron­tiert zu werden, die wir so aus der Schweiz nicht kennen. Die Einwohner von Supe leben in teils ganz anderen kulturellen Regeln und Traditionen, die uns schon zum Nachdenken brachten. Im Speziellen ist die Situation der Frauen zu erwähnen. Die Frauen verrichten den grössten Teil der täglichen Arbeit (während viele der Männer im Schatten Kaffee trinken), können jedoch kaum wichtige Entscheidungen selber treffen. Dieses krasse Rollenverständ­nis bekamen wir beispielsweise zu spüren, wenn wir zum Abendessen eingeladen wurden. Die Frau und ihre Mädchen kochten, währenddem sich die Männer amüsierten. Beim Essen erhielten die Frau und ihre Mädchen das, was übrig blieb. Hoffen wir nur, dass die Frauen beim Kochen immer ausgiebig kosten…
Interessant wurde es dann, wenn wir Äthiopier zu uns nach Hause einluden. Ganz verblüfft wurde beobachtet wie Reto den Kaffee servierte und Corinne sich mit den Gästen unterhielt. Überhaupt war es immer spannend mit Einheimischen zu essen. Einerseits waren wir uns kaum gewohnt nur mit einer Hand zu essen und andererseits assen die Äthiopier bei uns zum ersten Mal Spaghetti und Käse mit Messer und Gabel bzw. noch aufregender, mit dem Löffel.
Viele der bestehenden Traditionen sind aus unserer Sicht stark mitverantwortlich für die Probleme des afrikanischen Kontinents. Mit der Unterstützung des Bildungssystems und im Speziellen der Unterstützung der Ausbildung der Frauen geht „Learning for Life“ in die rich­tige Richtung. Wir sind der Meinung, dass im Speziellen mit der Verbesserung der Bildung der Frauen auch Probleme wie Bevölkerungswachstum, Familienplanung, HIV und andere Krankheiten gelöst werden können.

Wir beide genossen den Aufenthalt in Supe sehr und können einen solchen Einsatz nur weiterempfehlen. Wir bedanken uns bei „Learning for Life“ und im Speziellen bei Josy Bür­gin, welche uns den Aufenthalt in Supe ermöglicht hat.

Auch geht ein riesiges Dankeschön an die Bevölkerung von Supe – ohne ihre Gastfreund­schaft wäre ein solcher Aufenthalt nicht möglich!