SCHULERÖFFNUNG IM GEDENKEN AN

FELIX REIDHAAR

Ende Mai ist im Dorf Supe im Südwesten Äthiopiens das neu renovierte Schulgebäude „Felix Building" eröffnet worden. Dieses von der Stiftung Learning for Life realisierte Schulhausprojekt wurde im Gedenken an Felix Reidhaar möglich, nachdem seine Familie sowie Sie alle, liebe Freunde, Kollegen und Bekannte des Verstorbenen, vor gut einem Jahr anstelle von Blumen zu Gunsten von Learning for Life gespendet hatten.
Zusammen mit Felix’ Bruder Thomas Reidhaar habe ich als Stiftungsratspräsidentin von Learning for Life an der Schuleröffnung in Supe teilgenommen und freue mich sehr, Ihnen von diesem unvergesslichen Tag berichten zu dürfen.


Supe, Äthiopien, 19. Mai 2009

Es war ein Bilderbuchtag. Der Himmel über Supe war stahlblau, die Sonne schien, und im ganzen Dorf war eine freudige Anspannung zu spüren. Schon am Vortag waren die Bänke aus den Klassenzimmern ins Freie getragen, die Fenster geputzt, die Böden gefegt und alles für den hohen Besuch der verschiedenen Bezirks- und Provinzregierungsvertretern, des Fernsehens sowie zahlreichen anderen Gästen hergerichtet worden.

Die Äthiopier kommen fast immer zu spät, weshalb an diesem Morgen beim geplanten Festbeginn um 9 Uhr nur Thomas Reidhaar, die derzeit für Learning for Life in Supe weilende Englischlehrerin aus Zürich, ich selber und eine Handvoll weiterer Gäste auf dem Festplatz waren. Es war spannend zu verfolgen, wie sich während der darauf folgenden Stunde das „VIP Zelt" sowie der Dorfplatz mit mehr als 1000 Menschen füllten. Alle kamen in ihren besten Kleidern: die Frauen in ihren gewobenen Umhängen (Gabbi) in Rosa, Lindengrün, Hellblau, Bordeauxrot oder Weiss mit glänzenden Verzierungen sowie mit kunstvoll geflochtene Frisuren; die Männer zum Teil in Anzügen und die Kinder herausgeputzt und für einmal ohne „Schnudernase". Die Stimmung war elektrifiziert, euphorisch und voller Freude.

Da in Supe sowohl Christen als auch Moslem leben, wurde zu Beginn wie bei jeder Feier vom christlich-orthodoxen Pfarrer und vom obersten Moslem gemeinsam ein Gebet gesprochen. Als endlich auch die Regierungsvertreter eintrafen, spazierten wir alle gemeinsam zum neu renovierten Schulhaus, wo Thomas Reidhaar ein rosa Band durchschnitt und die Erinnerungstafel „Felix Building donated by Learning for Life" enthüllte.

Die 1930 von Schweden erbaute Schule, war vor der Renovation total heruntergekommen. Alle im Dorf waren dagegen, das Gebäude zu renovieren und wünschten sich einen weiteren Neubau (Learning for Life hat in den vergangenen Jahren in Supe bereits eine Sekundar- und eine Einschulungs-Schule gebaut). Die Bausubstanz des bestehenden Gebäudes war aber noch gut, und so wollten wir dem Dorf zeigen, dass man auch ein altes Gebäude reparieren und wieder benutzen kann. Die Bevölkerung war sehr erstaunt und beeindruckt, was aus dem heruntergekommenen Schulhaus geworden ist. Das „Felix Building" hat zwei Lehrerzimmer und vier grosse Schulzimmer, in denen in den Stufen sieben und acht jetzt rund 400 Schüler in jeweils zwei Schichten zur Schule gehen. Die Schule ist aussen in einem warmen Gelb gestrichen, innen hellgelb. Türen und Gebälk erstrahlen in einer leuchtenden Ockerfarbe.

An der Feier gab es viele Ansprachen und Darbietungen der Schüler. Felix war auf eine sehr feine Art allgegenwärtig. Ich hatte der Bevölkerung im Vorfeld erzählt, dass an der Beerdigung von Felix seine Freunde und Familie anstelle von Blumen Geld für Learning for Life und somit für die Renovation der Schule gegeben hatten. Die Schüler haben dies ganz wunderbar in Form von Liedern, Theaterstücken und Gedichten aufgenommen und sagten, sie seien nun die Blumen für Felix, und sie würden jetzt dank seiner Hilfe blühen. Es war sehr bewegend, und ich war stolz auf „mein Dorf" und dessen Menschen für diesen schönen Gedanken.

Als Präsidentin der Stiftung Learning for Life möchte ich mich nochmals ganz herzlich bei allen Spendern und Freunden sowie bei der Familie von Felix und bei Thomas für seine Begleitung bedanken.


Falls Sie mehr über Learning for Life und unsere Projekte erfahren möchten, bitte zögern Sie nicht, mich zu kontaktieren.

Josephine Bürgin                                                                                                                                                                  15. Juni 2009