Sonia de la Cruz


Von der Natur lernen – Moringa und SODIS

Nun aber zu meiner eigentlichen Arbeit in Supe: Im Rahmen meiner Bachelorarbeit wollte ich zwei Methoden kombinieren, um eine „neue“ Art derTrinkwasseraufbereitung zu testen. Neu, ist vielleicht der falsche Ausdruck (daher auch in Anführungszeichen geschrieben), da die eine Methode davon bereits in vielen Entwicklungs-/Schwellenländern bekannt ist und genutzt wird: SODIS; auf Deutsch: Solare Wasser Desinfektion; (www.sodis.ch).

Was aber neu ist, ist eine kombinierte Methode: SODIS mit Moringa zusammen. Moringa hat ein beträchtliches Nutzungspotential, unter anderem kann man mit dem Samen den Schmutz im Wasser binden und dieser sinkt ab, sodass das Wasser klar wird. Für die Trinkwasseraufbereitung eignen sich die Samen zweier Arten: Moringa oleifera und Moringa stenopetala. Samen dieser Art in Supe verwendet. Da in Awasa bereits Moringa stenopetala wächst, habe ich die Samen dieser Art in Supe verwendet.

Moringa der Wunderbaum

Der Übername ist nicht unbegründet; denn der Baum hat viele Eigenschaften, die von grossem Nutzen sind. Die Blätter können so zum Beispiel als Nahrungsergänzung verwendet werden. Dies wird auch in einigen Ländern Afrikas und ausserhalb gemacht. Nährwertuntersuchungen an Moringa haben ergeben, dass die Blätter gemessen im Verhältnis 7 mal mehr Vitamin C aufweisen als Orangen, 4 mal mehr Calcium enthalten als Milch, 4 mal mehr Vitamin A als Karotten haben und 2 mal mehr Proteine besitzen als Milch. Wie oben beschreiben, weisen die Blätter eine grosse Menge an Vitamin A sowie dem Vorläufer vom Vitamin A, Beta-Carotin, auf. Nach Untersuchungen reicht die Menge von weniger als 10 Gramm Blätter aus, um den Tagesbedarf an Vitamin A zu decken und somit das Erblinden eines vorschulpflichtigen Kindes zu verhindern.

Wie funktioniert SODIS?

SODIS macht sich die Sonnenstrahlen bzw. die UV- und Infrarot-Strahlen zu Nutze, um krankheitserregende Mikroorganismen abzutöten. Diese sind gegen diese Art von Strahlen nicht resistent. Die meisten menschlichen Krankheitserreger sind adaptiert im inneren, im Magen-Darm-Trakt des Menschen, zu leben. Diese Umgebung ist dunkel, feucht und hat eine Temperatur zwischen 36°C und 37°C. Ausserhalb des menschlichen Körpers reagieren diese Mikroorganismen äusserst empfindlich auf harsche Umweltbedingungen: Sie sind bei Temperaturerhöhungen nicht fähig zu überleben, zudem haben sie auch keinen Schutzmechanismus gegenüber UV-Strahlen. (Eine der wenigen Ausnahmen ist salmonella, die aber zum Überleben ganz spezielle Bedingungen verlangt.) Demzufolge können Temperatur und UV-Stahlen verwendet werden, um die Mikroorgansimen zu inaktiveren.

Die kombinierte Methode

Für mein Projekt habe ich beide Methoden so kombiniert, dass sie keine Schwachstellen mehr ausweisen: Zuerst wurde das Wasser mit Moringa vorgeklärt und zum Schluss wurde es mit SODIS behandelt.

Auf dem Bild links sieht man das unbehandelte Wasser. Die Menschen in Ursa (etwa 2 km von Supe entfernt) trinken / tranken in der Regel das Wasser gerade so. Der Mann ist daran den Samen zu zermahlen, damit er anschliessend das Pulver ins Wasser einrühren kann.

Rechts sieht man das gereinigte Wasser nach der Behandlung mit Moringa: unten ist der Schmutzkuchen und oben befindet sich das klare Wasser. Nun füllt die Frau das Wasser in die PET-Flaschen, um anschliessend die Flaschen an die Sonne zu legen. Der Eimer, der auf den Bildern zu sehen ist, ist eine eigene Erfindung, um das Wasser leicht mit Moringa behandeln und dann in die PET-Flaschen abfüllen zu können. Für meine Bachelorarbeit habe ich 15 Familien eingeführt und geschaut, ob sich die Methode in der Praxis bewährt. Ich habe aber auch gleichzeitig die Familien geschult, wie sie ihre eigenen Bäume züchten sollen, um selber Samen und Blätter produzieren zu können. Die Resultate sind sehr erfreulich, das heisst die Methode lässt sich in der Praxis umsetzen. Sie muss aber noch ein wenig verbessert werden. Und daran bin ich nun, denn die kombinierte Methode (KM) – so nenne ich sie - hat ein grosses Potential, da sie in Entwicklungsländern zwei Grundbedürfnisse – Essen und Trinken - zu verbessern vermag.

Sonia de la Cruz